Hier bist Du im Bereich für Wissbegierige und Leseratten gelandet.

Allerdings sind die Texte kurz genug, dass Du Dir einen einfachen Überblick verschaffen kannst.

Wer danach immer noch mehr wissen möchte, findet Links und Hinweise zu ausführlichen und genaueren oder einfach nur anderen Webseiten oder Büchern, damit er (oder sie) allmählich zu einem richtigen Experten in Sachen Mittelalter werden kann. Oder komm einfach mal vorbei und fachsimpel etwas mit uns im Training.

Die Gesellschaft im Hochmittelalter

Jedermann und -frau war im Mittelalter irgendjemandes Untertan. Es sei denn natürlich, er war der König selbst. Es gab eine strenge Hierarchie sowohl der weltlichen wie auch der kirchlichen Ordnung.

Den weltlichen Bereich prägte das sogenannte Lehnswesen, nachdem der König seine Fürsten, diese z.B. die Grafen, diese wiederum Barone und Ritter zum Vasall oder Lehnsmann hatten. Darunter kam die Schar der Bauern, manche frei, manche sogar unfrei bzw. leibeigen. In einschlägigen Lexika ist das alles natürlich noch genauer nachzulesen.

Wie auch immer, für den einzelnen ergab sich immer eine daraus resultierende Abhängigkeit sowie die Zugehörigkeit zu einem Stand – also Adel, Klerus oder Bauer – vielleicht war er oder sie auch ein Bürger oder vielleicht auch gar nichts dergleichen und damit randständig, d.h. er gehörte zu der gar nicht mal so kleinen Gruppe der irgendwie gesellschaftlich Ausgestoßenen.

In jedem Fall sollte man sich für eine Darstellung seinen Stand – also seinen Platz in der Gesellschaft – aussuchen.

Kleidung und Gerätschaft

Nun haben wir Zeit und Ort und hoffentlich auch die Zugehörigkeit zu einem Stand, einer Berufsgruppe und der oft daraus resultierenden finanziellen Lage geklärt. Jetzt ergibt sich selbstverständlich das Erscheinungsbild von alleine …sollte man meinen.

Allerdings haben wir hier ein spezielles Problem:
Man kann sich diesem Erscheinungsbild nämlich nur annähern, will heißen – so ganz genau weiß niemand, wie die Kleidung damals denn nun wirklich beschaffen war.

Man ist auf vergleichsweise ungenaue Bildquellen wie die Illustrationen des „Codex Manesse“ sowie eher dürftige archäologische Funde wie etwa den „Mann vom Bockstensmoor“ angewiesen, Original-Kleidungsstücke aus dieser Zeit sind extrem selten und meist Besonderheiten wie der Krönungsmantel der Reichskleinodien und ähnlich exotische Teile.

Außerdem hat sich zwischen dem Jahr 1000 und 1300 die Mode teilweise ganz schön verändert, das macht’s auch nicht gerade einfacher. Also wie denn nun?

Trotzdem lässt sich näherungsweise mit Material, Farbe und Schnitt, die den Illustrationen und Funden weitgehend entsprechen, ein einigermaßen stimmiges Bild rekonstruieren. (siehe Bildergalerie links)

Bei Leder, Holz und natürlich Metall verhält sich das schon etwas anders, vom Schuh bis zum Schwert hat Gott sei Dank so mancher Gegenstand die Zeiten überdauert und lässt sich auch jetzt noch begutachten.

Leider haben sich die Menschen des Mittelalters aber auch nicht die Mühe gemacht, aufzuschreiben, wie der Herstellungsprozess der Alltagsgegenstände war, so dass man vieles selbst herausfinden muss oder auf die Hilfe von Leuten angewiesen ist, die so etwas wissenschaftlich erforschen oder/und die sich diese Techniken in mühsamer oft jahrelanger Kleinarbeit erarbeitet haben.

Andererseits macht gerade das vielleicht für den einen oder anderen den Reiz dieses Hobbys aus, man wird nämlich ein bisschen zum Forscher und Entdecker der eigenen Vergangenheit.

Living History – mehr als nur ein Hobby

Waffen & Rüstungen

Es liegt selbstredend nahe – wenn man sich schon die Ritterzeit aussucht – bei der Kriegstechnik zunächst einmal das Urbild des mittelalterlichen Kriegers zu betrachten: den Ritter.

Aber nicht nur Ritter waren im Krieg von Bedeutung, es gab auch Bogen- und Armbrustschützen, Fußkämpfer mit Speeren oder mit großen Kriegsäxten und manchmal sogar mit Steinschleudern. Es wurden sogar schon ballistische Waffen wie z.B. der Tribock eingesetzt, die natürlich auch von Spezialisten bedient wurden.

Die Waffen und Ausrüstung des beginnenden Hochmittelalters sind besonders gut auf dem berühmten Teppich von Bayeux zu sehen, er wurde ziemlich bald nach der Schlacht von Hastings (1066) von den siegreichen Normannen sozusagen als Propagandabild in Auftrag gegeben.

Aber nicht nur Normannen und Angelsachsen sahen damals so aus: man kann aus Funden und anderen Darstellungen dieser Zeit sehen, dass praktisch in ganz Europa die Ritter ähnlich ausgestattet waren. Der Körper war durch ein wattiertes langes Hemd, das sogenannte Gambeson und den darüber liegenden Kettenpanzer geschützt, auf dem Kopf trug man einen konisch oder rund geformten eisernen Helm, zumeist mit Nasal, darunter eine Kettenhaube. Die linke Seite schützte ein großer tropfenförmiger Schild, später der Dreiecksschild.

Bevorzugte Waffe ist die Lanze, damals noch ein langer Speer und für den Nahkampf natürlich das Schwert (das mit einer Hand geführt wurde) oder manchmal eine Axt, selten eine Keule.

Gegen Ende des Hochmittelalters trugen die Krieger oft andere Helmformen, wie den Topf- oder den Kübelhelm und auch Kettenhosen oder -Beinlinge. Der Visierhelm und die Plattenrüstung, die man hier und da in alten Schlössern oder in Museen sieht, werden erst im späten Mittelalter, ca. ab 1300 entwickelt und sind daher für uns noch nicht von Bedeutung.

Wer allerdings kein Ritter oder gar Fürst war, hatte sicherlich nur Teile dieser Ausrüstung, (wenn überhaupt) und mit ziemlicher Sicherheit kein Schwert an seiner Seite, denn so einen Luxusgegenstand konnte sich der einfache Mann genau so wenig leisten wie heute etwa einen Rennwagen oder ein Sportflugzeug (nur so als Beispiel).

Unterkunft und Mobiliar

Eine Burg wäre natürlich das ideale Domizil, und tatsächlich lädt der eine oder andere Burgherr zu besonderen Gelegenheiten mal eine Mittelaltergruppe ein. Aber in aller Regel muss man sich etwas bescheidener, z.B. mit einem Ritterzelt begnügen.

Hierin stehen Möbel aus Holz, die leicht auf- und abzubauen und transportabel sein müssen, das waren sie im Mittelalter schließlich meistens auch. Ein Tisch, z.B. bestand aus einer großen Platte, die auf Böcken ruhte und war die Mahlzeit beendet, wurde die Tafel aufgehoben und an die Wand gestellt, damit sie nicht mehr so viel Platz wegnahm.

Seine Habseligkeiten hatte man nicht in Schränken, sondern in Truhen oder Kisten verstaut, Betten waren auf Reisen oft einfache Strohsäcke mit Wolldecken oder Fellen darauf und wenn man einen Stuhl besaß, war das ein sogenannter Scherenstuhl, der einem heutigen Campingstuhl verblüffend ähnelte.

Zum immer noch in der Mittelalterszene allseits beliebten Steckstuhl wollen wir uns hier lieber nicht äußern…